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Volterra thront, knapp 50 km vom Meer entfernt, auf einer
steilen Anhöhe am Flusstal der Cecina. Auf Grund von umfangreichen Ausgrabungen
ist bekannt, dass der strategisch günstig gelegene Hügel von Volterra schon in
der Jungsteinzeit besiedelt war. Ab dem 9. Jh. v. Chr. sind Spuren der
villanovianischen Kultur nachgewiesen, auf deren Wurzeln das etruskische Velathi
erblühte.
Als in der Umgebung
Eisenerzvorkommen entdeckt wurden, erlebte die urbane Siedlung ab dem 4. Jh. v.
Chr. einen wirtschaftlichen Aufschwung. Zu dieser Zeit wurde die mehr als 7 km
lange Ringmauer erbaut.
Unter dem Namen Volaterrae wurde die Stadt 3. Jh. v. Chr. römisches Municipium,
das beim Niedergang des weströmischen Reiches bereits Bischofssitz war.
Volterra entwickelte sich während des 9. bis 12. Jh.s n. Chr. zu einem
wohlhabenden Freistaat, der seine Unabhängigkeit bis zur Unterwerfung durch
Florenz (1361) behaupten konnte. Die Stadt bleib fortan unter dem Einfluss von
Florenz und wurde eine Medici-Stadt, die bis heute ihren mittelalterlichen
Charakter bewahrt hat.
Auf dem höchsten Punkt des Hügels von Volterra erhebt sich
die gewaltige Medici-Festung Fortezza Medicea, heute ein
Hochsicherheitsgefängnis und daher nicht zu besichtigen. Die stolze Zwingburg
gehört zu den mächtigsten Bollwerken der Renaissance-Architektur in Italien. Die
Rocca Vecchia (Alte Burg) im Osten wurde im 14. Jh. durch den Duca d'Athene
errichtet, die Rocca Nuova (Neue Burg) entstand 1472-1475 im Auftrag von Lorenzo
de'Medici.
Der mittlere Rundturm der Neuen Burg, nach 1472 erbaut, wird 'Maschio'
('Männchen') genannt, der halbelliptische Turm der Alten Burg heißt 'Femmna'
('Weibchen'). Nach Fertigstellung der neuen Strafanstalt an der Straße nach San
Gimignano soll die Festung für museale Zwecke umgebaut werden.
Südlich der Piazza die Priori erstreckt sich am Westfuß der Medici-Festung der
Archäologische Park. Hier wurden 1926 bei Ausgrabungen Reste einer antiken
Akropolis freigelegt, darunter die Fundamente von zwei Tempeln aus dem 2. Jh.
v.Chr. und eine Zisterne (Piscina).
Auf das erste nachchristliche Jahrhundert ist das römische Amphitheater datiert
worden, das man am Nordrand der mittelalterlichen Stadtmauern Volterras seit
1951 freigelegt hat.
Neben
dem Tourismus ist Volterra für seine Alabasterkunst bekannt. Volterras
Alabaster, der wertvollste der Welt, ist chemisch gesehen ein
Calciumsulfatbihydrat CaSO2 2H2O, das sich in der Miozäne, vor 27 bis 7
Millionen Jahren, gebildet hat. Dieser Alabaster wird ausschließlich von den
Volterraner Kunsthandwerker handgearbeitet. Sie unterteilen sich in Drechsler,
Zuschneider, Verzierer, Bildhauer und Tierfigurschnitzer. Die ovalen
Alabasterblöcke in den verschiedenen Steinarten werden zugeschnitten, in Form
gebracht und ausgearbeitet. Es ist interessant die verschiedenen Arbeitsgänge zu
beobachten: Die weißen Alabaster-Staubwolken, aufgewirbelt von den Maschinen des
Drechslers - Alabastersplitter, die während der Arbeit des Bildhauers
absplittern - bis schließlich das Objekt in den geschickten Händen des Verzierers langsam Form an nimmt. Nun wird geschliffen und mit speziellen Pasten
aus Muschel- und Schalentierpulver poliert, mit öligen Lösungen aus natürlichen
Wachsen, Walrat, Vaselinöl oder Kiefernharz behandelt. Das alles um die
Transparenz des Steines und die Venaturen hervorzuheben.
Man sollte Volterra unter der Woche besuchen, da es eine relativ kleine Stadt
ist sind die alten Gassen an den Wochenenden hoffnungslos überlaufen.
Eine nicht ganz ernst gemeinte Warnung zum Schluss: Man sollte die zahlreichen
Läden mit den Alabasterobjekten mit einer gewissen Zurückhaltung betreten, es
besteht die Gefahr einer Sammlerleidenschaft. Neben dem üblichen Kitsch findet
man Gegenstände im klassischen bis zum modernen Stil. Aus eigener Erfahrung kann
ich sagen, dass für jeden Geschmack und Einrichtungsstil etwas zu finden ist und
die Preise sind durchaus günstig.
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