Unweit von Marina di Bibbona liegt Bolgheri in der Mitte der „Costa degli Etruschi“ (Küste der Etrusker). Bolgheri wird über die berühmte Zypressenallee erreicht. Diese Allee ist 5 km lang und besteht aus 2500 sehr alten Zypressen. Giosuè Carducci, der von 1838 bis 1848 hier wohnte, verewigte diese Allee in seinem berühmten Gedicht "Davanti a San Guido". Dieses Gedicht wird in Italien an jeder Schlule gelehrt, desshalb ist es nicht verwunderlich, dass nahe zu jeder Italiener dieses Gedicht - und somit auch Bolgheri - kennt.

Am Ende der Allee erreicht man ein einziges bogenförmiges Tor, welches der einzige Zugang zum Dorf darstellt. Im Ortskern hat alles sein ursprüngliches Aussehen bewahrt und man hat das Gefühl, die Zeit sei stehen geblieben. Das Ortszentrum scheint seine ursprüngliche antike Struktur beibehalten zu haben. In den zauberhaften kleinen Restaurants kann man die vortrefflichen lokalen Erzeugnisse kosten.

Gegenüber den kleinen Restaurants hat man eine schöne Aussicht auf die typisch toskanische Landschaft und am Horizont ist das Meer zu sehen.

Das Castel von Bolgheri wird schon in den Quellen aus dem 8. Jahrhundert erwähnt, wenn es auch damals an einem anderen Ort lag: nachdem das Kastell 1496 von den deutschen Truppen völlig zerstört worden war, wurde es im 16. Jhd. an seinem heutigen Standort neu aufgebaut. Trotz der zahlreichen Umbauten in der Folgezeit, haben das Kastell und der nur durch ein einziges Bogentor zugängliche Ort offenbar nichts von ihrem ursprünglichen Reitz eingebüßt.

Besonders die kleine Kirche sollte man unbedingt besuchen. Obwohl sie eine der kleinsten Kirchen ist, besticht sie durch ihre Ausgestaltung und stellt viele der größeren Kirchen in den Schatten. Paare aus ganz Italien lassen sich hier trauen. Dies liegt wohl an der Bekanntheit von Bolgheri durch das Gedicht von Giosuè Carducci. Vor dem Stadttor befinden sich zwei weitere Kirchen, diese sind noch kleiner und der Öffentlichkeit nicht zugänglich.

In Bolgheri lebt und arbeitet auch ein lieber Freund von mir, Mauro. Obwohl ich nur wenig Italienisch kann und eine Unterhaltung in Englisch recht schwierig ist, hat sich mit Mauro eine andauernde Freundschaft entwickelt und wir schreiben uns regelmäßig.

Dieses Bild wurde mir von Mauro zur Verfügung gestellt

Giosuè Carducci (*Valdicastello 27.7.1835, Bologna 16.2.1907)

"Davanti a San Guido"

Die hohen und aufrichtigen Zypressen,
die von San Guido in doppelter Reihe stehen,
sprangen mir entgegen und schauten mich an.
Sie erkannten mich
und flüsterten mir mit gesenktem Kopf zu: „Willkommen!
Warum steigst du nicht ab? Warum bleibst du nicht?
Frisch ist der Abend, und dir ist der Weg bekannt.
Oh, setz dich in unseren wohlduftenden Schatten,
wo vom Meer her der Mistral weht:
Wir hegen keinen Hass gegen dich
wegen der Steinwürfe von einst. Oh, sie taten ja nicht weh!
In unseren Wipfeln befinden sich noch Nester von Nachtigallen.
Sag, warum fliehst du so schnell?
Am Abend verirren sich noch immer die Sperlinge
in ihrem Flug um uns herum. Oh, bleib doch hier!“
„Schöne Zypressen, meine Zypressen,
treue Freunde einer besseren Zeit,
wie gerne würde ich bei euch bleiben“
antwortete ich, indem ich sie beschaute“, oh, von Herzen gern!
Aber, meine Zypressen, lasst mich gehn.
Heute ist nicht mehr jene Zeit und jenes Alter.
Wenn ihr wüsstet!...Ich will mich nicht rühmen,
aber heute bin ich eine Berühmtheit.
Und ich kann griechisch und Latein lesen,
und ich schreibe und schreibe und habe viele andere Tugenden:
Liebe Zypressen, ich bin kein Spitzbube mehr,
und vor allem werfe ich schon lange nicht mehr mit Steinen,
grundsätzlich nicht auf Bäume“. Und ein Murmeln
wallte auf in den zweifelnden Gipfeln,
und der sich neigende Tag
leuchtete rosig zwischen den grünen Wipfeln hindurch.
Ich begriff, dass die Zypressen und die Sonne
ein freundliches Mitleid mit mir hatten,
und sofort wandelte sich das Murmeln in Worte:
„Wir wissen es wohl, du bist ein anderer Mensch,
wir wissen es wohl, und der Wind sagte es uns,
der von den Menschen die Seufzer entreisst,
welch ewige Kämpfe in deiner Brust lodern,
die du weder zu lindern weisst, noch lindern kannst.
Du kannst den Eichen und uns deine menschliche
Traurigkeit und euren Schmerz erzählen.
Sieh, wie ruhig und blau das Meer ist,
sieh, wie heiter die Sonne versinkt!
Und wie dieser Sonnenuntergang voller Flüge ist,
sieh, wie heiter das Gekreische der Spatzen ist!
In der Nacht werden die Nachtigallen schlagen:
Bleibe, und folge nicht den bösen Gespenstern,
diesen bösen Gespenstern, die aus den schwarzen Tiefen
eurer Herzen empor schnellen, besiegt vom Verstand.
Modrige Flammen lodern wie aus euren Friedhöfen
vor dem Wanderer empor.
Bleibe, und morgen zur Mittagszeit,
wenn die Pferde nebeneinander im Schatten der Eichen stehn,
und rundherum alles in der glühenden Ebene still steht,
werden wir Zypressen dir die Chöre singen,
die ewigen Bestand haben werden zwischen Himmel und Erde.
Aus diesen Ulmen werden die Nymphen hervorkommen
und sie werden dich umschwingen mit ihrem weissen Schleier;
und der ewige Pan, der auf verlassenen Anhöhen
und in den Ebenen einsam dahergeht zu dieser Stunde,
wird den Zwist deiner Sorgen
in der göttlichen Harmonie auslöschen.“
Und ich antwortete: „ Weit weg, jenseits des Appenin erwartet mich
die Tittí, lasst mich gehen.
Die Tittí ist wie ein Sperlingsweibchen,
aber sie hat keine Federn, um sich zu kleiden.
Und sie isst anderes als die Beeren der Zypressen,
und ich bin kein Manzoniano,
der, um etwas zu essen zu bekommen,
ein paar Zeilen geschrieben hat.
Auf nimmer Wiedersehen, Zypressen!
Auf nimmer Wiedersehen, meine sanfte Ebene!“
„Was möchtest du, das wir nun auf dem Friedhof sagen,
wo deine Grossmutter beerdigt liegt?“
Und sie flogen davon und schienen ein schwarzes Geleit,
das murmelnd in Eile davonzog.
Vom Friedhof, auf der Anhöhe,
Gross und feierlich, schwarz gekleidet,
schien es mir, als ob ich meine Grossmutter Lucia wiedersähe:
Die Signora Lucia, mit wallendem, schneeweissem Haar,
aus deren Mund wohlklingend das Toskanisch hervorkam,
welches so dumm klingt in Manzonis Figuren,
mit dem wehmütigen Akzent Versiliens,
den ich im Herzen trage,
wie ein Kavalier aus dem 13.Jahrhundert
voll Kraft und Lieblichkeit.
Oh Grossmutter, oh Grossmutter, wie schön sie war,
als ich ein kleiner Junge war! Sagt es mir noch einmal,
erzählt diesem weisen Mann wieder das Märchen von ihr,
welche ihre verlorene Liebe sucht!
„Sieben Paar Schuhe aus Eisen habe ich verbraucht,
um dich wiederzufinden;
sieben Eisenstäbe habe ich verschlissen,
um mich bei diesem schicksalsschweren Gang zu stützen;
sieben Flaschen Tränen habe ich vergossen,
sieben Jahre bitterer Tränen;
du schläfst bei meinen verzweifelten Schreien,
und der Hahn kräht, und du willst nicht aufwachen.“
„Wie schön du bist, oh Grossmutter,
und wie wahr ist das Märchen noch immer! Genau so.
Und das, was ich von morgens bis abends suchte,
viele Jahre hindurch vergeblich suchte, befindet sich vielleicht hier,
unter diesen Zypressen, wo ich nicht hoffe,
wo ich nicht denke, mich noch einmal auszuruhen.
Vielleicht, Grossmutter, befindet es sich auf eurem Friedhof,
dort oben, zwischen diesen anderen Zypressen.
Keuchend fuhr der Zug vorbei,
während ich so im Innern meines Herzens weinte;
Und eine Schar Hühner kam
fröhlich gerannt zu diesem Lärm.
Aber ein grauer Esel, der an einer roten
und türkisfarbenen Distel knabberte, ließ sich nicht stören.
Diesem ganzen Lärm schenkte er keine Aufmerksamkeit,
und er fuhr fort, langsam und bedächtig weiter zu äsen.

Übersetzung: Angelika Krisch-Krauth, M.A.
  Dozentin an der Volkshochschule Heilbronn
I cipressi che a Bólgheri alti e schietti
Van da San Guido in duplice filar, Quasi in corsa giganti giovinetti
Mi balzarono incontro e mi guardar.
Mi riconobbero, e— Ben torni omai —
Bisbigliaron vèr' me co 'l capo chino —
Perché non scendi ? Perché non ristai ?
Fresca è la sera e a te noto il cammino.
Oh sièditi a le nostre ombre odorate
Ove soffia dal mare il maestrale:
Ira non ti serbiam de le sassate
Tue d'una volta: oh non facean già male!
Nidi portiamo ancor di rusignoli:
Deh perché fuggi rapido cosí ?
Le passere la sera intreccian voli
A noi d'intorno ancora. Oh resta qui! —
— Bei cipressetti, cipressetti miei,
Fedeli amici d'un tempo migliore,
Oh di che cuor con voi mi resterei—
Guardando lor rispondeva — oh di che cuore !
Ma, cipressetti miei, lasciatem'ire:
Or non è piú quel tempo e quell'età.
Se voi sapeste!... via, non fo per dire,
Ma oggi sono una celebrità.
E so legger di greco e di latino,
E scrivo e scrivo, e ho molte altre virtú:
Non son piú, cipressetti, un birichino,
E sassi in specie non ne tiro piú.
E massime a le piante. — Un mormorio
Pe' dubitanti vertici ondeggiò
E il dí cadente con un ghigno pio
Tra i verdi cupi roseo brillò.
Intesi allora che i cipressi e il sole
Una gentil pietade avean di me,
E presto il mormorio si fe' parole:
— Ben lo sappiamo: un pover uom tu se'.
Ben lo sappiamo, e il vento ce lo disse<
Che rapisce de gli uomini i sospir,
Come dentro al tuo petto eterne risse
Ardon che tu né sai né puoi lenir.
A le querce ed a noi qui puoi contare
L'umana tua tristezza e il vostro duol.
Vedi come pacato e azzurro è il mare,
Come ridente a lui discende il sol!
E come questo occaso è pien di voli,
Com'è allegro de' passeri il garrire!
A notte canteranno i rusignoli:
Rimanti, e i rei fantasmi oh non seguire;
I rei fantasmi che da' fondi neri
De i cuor vostri battuti dal pensier
Guizzan come da i vostri cimiteri
Putride fiamme innanzi al passegger.
Rimanti; e noi, dimani, a mezzo il giorno,
Che de le grandi querce a l'ombra stan
Ammusando i cavalli e intorno intorno
Tutto è silenzio ne l'ardente pian,
Ti canteremo noi cipressi i cori
Che vanno eterni fra la terra e il cielo:
Da quegli olmi le ninfe usciran fuori
Te ventilando co 'l lor bianco velo;
E Pan l'eterno che su l'erme alture
A quell'ora e ne i pian solingo va
Il dissidio, o mortal, de le tue cure
Ne la diva armonia sommergerà. —
Ed io—Lontano, oltre Apennin, m'aspetta
La Tittí — rispondea; — lasciatem'ire.
È la Tittí come una passeretta,
Ma non ha penne per il suo vestire.
E mangia altro che bacche di cipresso;
Né io sono per anche un manzoniano
Che tiri quattro paghe per il lesso.
Addio, cipressi! addio, dolce mio piano! —
— Che vuoi che diciam dunque al cimitero
Dove la nonna tua sepolta sta? —
E fuggíano, e pareano un corteo nero
Che brontolando in fretta in fretta va.
Di cima al poggio allor, dal cimitero,
Giú de' cipressi per la verde via,
Alta, solenne, vestita di nero
Parvemi riveder nonna Lucia:
La signora Lucia, da la cui bocca,
Tra l'ondeggiar de i candidi capelli,
La favella toscana, ch'è sí sciocca
Nel manzonismo de gli stenterelli,
Canora discendea, co 'l mesto accento
De la Versilia che nel cuor mi sta,
Come da un sirventese del trecento,
Piena di forza e di soavità.
O nonna, o nonna! deh com'era bella
Quand'ero bimbo! ditemela ancor,
Ditela a quest'uom savio la novella
Di lei che cerca il suo perduto amor!
— Sette paia di scarpe ho consumate
Di tutto ferro per te ritrovare:
Sette verghe di ferro ho logorate
Per appoggiarmi nel fatale andare:
Sette fiasche di lacrime ho colmate,
Sette lunghi anni, di lacrime amare:
Tu dormi a le mie grida disperate,
E il gallo canta, e non ti vuoi svegliare.
— Deh come bella, o nonna, e come vera
È la novella ancor! Proprio cosí.
E quello che cercai mattina e sera
Tanti e tanti anni in vano, è forse qui,
Sotto questi cipressi, ove non spero,
Ove non penso di posarmi piú:
Forse, nonna, è nel vostro cimitero
Tra quegli altri cipressi ermo là su.
Ansimando fuggía la vaporiera
Mentr'io cosí piangeva entro il mio cuore;
E di polledri una leggiadra schiera
Annitrendo correa lieta al rumore.
Ma un asin bigio, rosicchiando un cardo
Rosso e turchino, non si scomodò:
Tutto quel chiasso ei non degnò d'un guardo
E a brucar serio e lento seguitò.

 

Mein ausdrücklicher Dank geht an Frau Krisch-Krauth.
Obwohl mir das Erlernen der italienischen Sprache sehr schwer fällt, schafft es Frau Krisch-Krauth das ich doch jedes Semester belege und – wenn auch kleine – Fortschritte mache.
Die Übersetzung des Gedichts hat Frau Krisch-Krauth aufgrund des schwierigen Textes viel Zeit und Mühe gekostet -
 

Liebe Frau Krisch-Krauth, Vielen Dank für ihre tolle Arbeit!!!

Tommaso