Wie alles begann

- oder -

Manchmal reicht ein Klick und dein Leben ändert sich von Grund auf

Es war Donnerstag der 6. Oktober 2005. Nach getaner Arbeit war ich zu Hause angekommen und - wie so oft - war meine Wohnung leer. Aus reiner Langeweile stöberte ich ein wenig in Gayromeo. Nach einiger Zeit stieß ich auf ein Profil, welches mein Interesse weckte. Ich kann gar nicht sagen was mich so angezogen hat, aber ich verbrachte einige Zeit damit das Profil zu lesen und die Bilder zu betrachten.
Doch - wie es eben so läuft, habe ich das Profil wieder verlassen ohne eine Message zu hinterlassen. So einem Wahnsinns-Mann eine Nachricht hinterlassen? Nee, träum weiter.
Plötzlich - die Harfe ertönte. Eine Message? Die ist doch von...
Und so kam es zu unserem ersten Chat und ich dachte noch "Ey der verarscht dich doch!?". Am Ende gab er mir seine Telefonnummer und wir wollten am nächsten Tag telefonieren.

Freitag, 7.Oktober 2005
Seine Rufnummer hatte ich dabei aber es ergab sich keine Gelegenheit, ihn vom Büro aus anzurufen. Überhaupt, rufe ich wirklich an? Warum - oder vielmehr - warum nicht? Der Arbeitstag verging und ich kehrte in meine Wohnung zurück. Ich nahm allen meinen Mut zusammen und rief an...
Unser Gespräch hinterließ bei mir ein gutes Gefühl. Wie es der Zufall (oder wer sonst?) will, war in der nächsten Woche für eine Schulung in Leinfelden-Echterdingen angemeldet, was wiederum nicht weit von seinem Wohnort entfernt liegt. Was lag näher als ein Treffen zu verabreden?

Dienstag, 11. Oktober 2005
Der Tag der Tage. Mit einem mulmigen Gefühl machte ich mich auf den Weg. Ich läutete, er öffnete die Tür und... Ich blickte in das Gesicht eines Mannes, der das Grauen gesehen hat!
OK vergiss es. Nur was soll ich vergessen? Und überhaupt warum will ich nicht wieder gehen? Warum ist er so nett obwohl ich ihn doch offensichtlich so schockiert habe?
Fragen über Fragen, und ich wusste nicht woran ich bin. Gegen später erzählte ich ihm - zu seinem Erstaunen - von meinem ersten Eindruck. Endlich war mir klar, wie sehr ich mich geirrt hatte.
Wenn ich heute über unseren ersten Augenblick denke kann ich nicht anders als lächeln.
Irgend wann spät in der Nacht machte ich mich auf den Heimweg - unnötig zu sagen, dass ich eigentlich bei ihm bleiben wollte.

Mittwoch, 12. Oktober 2005
Ein weiterer Tag Schulung und es fiel mir schwer mich zu konzentrieren, irgend etwas hatte sich verändert. Er war ständig in meinem Kopf und die schwere Türe zu meinem Herzen begann nach zu geben.
Der Feierabend kam endlich näher und mit ihm das Verlangen ihn wieder zu sehen. Die Vorstellung einfach nach Hause zu fahren gefiel mir überhaupt nicht und in mir tobte ein Kampf. Letztlich bat ich Ihn, um ein Treffen. Da ich nicht den ganzen Abend bei Ihm verbringen konnte Trafen wir uns in der Nähe von seinem Haus. Wäre ich zu ihm nach hause gekommen, hätte ich nur wieder den ganzen Abend bei ihm verbracht.
Wir gingen Spazieren und setzten uns unter einen Baum, von dem man einen wunderbaren Ausblick auf die Gegend hatte. Im Laufe unserer gemeinsamen Zeit zerfiel mein Schutzwall und es gab kein Zurück mehr.

Donnerstag, 13. Oktober 2005
Das Interesse am Unterricht hielt sich in Grenzen und mir blieb genügend Zeit, in Gedanken bei ihm zu sein. Wir verabredeten uns zum Mittagessen. Das Essen selbst war für mich nebensächlich, Hunger hatte ich nur auf seine Nähe.
Der Abend und die anschließende Nacht wurde von einer inneren Unruhe beherrscht. Wäre ich in dieser Nacht alleine gewesen hätte mich nichts mehr gehalten und ich wäre zu ihm gefahren. Lediglich die Aussicht mit ihm am nächsten Tag eine Runde mit dem Motorrad zu drehen bewarte mich vor Dummheiten.

Freitag, 14. Oktober 2005
Mittagspause und eine unerwartete SMS, dass er vor der Türe wartete. Er hatte ein Picknick vorbereitet und wir fuhren zu einer nahe gelegen Wiese. Die Zeit verflog wie im Flug und ich kam ein wenig zu spät zum Unterricht.
Der Feierabend war erreicht und ich fuhr zu ihm. Wir machten uns fertig für die Ausfahrt mit dem Motorrad. Zwei meiner Träume sollten sich gleich erfüllen: Endlich wieder auf einem Motorrad sitzen und dann noch als Sozius mit dem Mann den ich Liebe! OK, es war lange her, dass ich auf einem Bike saß. Mit der Angst, welche ich bei den Rechtskurven empfand hatte ich jedoch nicht gerechnet. Erst nach einiger Zeit ließ mich die Tatsache ihn zu umarmen meine Angst verschwinden und ein Hochgefühl machte sich breit.

Samstag, 15. Oktober 2005
Die Nacht war früh zu ende und an Schlaf nicht zu denken. Thomas war schon unterwegs zur Arbeit und mir wurde klar was der Tag für mich bereit hielt: Es würde der härteste Tag in meinem Leben werden.
Ich habe lange versucht die Beziehung mit Thomas aufrecht zu erhalten. Jedoch hatte er den Betrug, welchen ich nun beging, nicht verdient. Es wurde Zeit zu Handeln. Es war nicht Bernhard, der das was kommen sollte auslöste. Aber er gab mir die Kraft zu Tun was getan werden musste.
Ich hatte bei meinen Eltern einiges zu erledigen und so waren sie es, die als erstes vom Scheitern meiner Beziehung mit Thomas erfuhren. Es war weder für sie noch für mich einfach, darüber zu reden und sich mit dem Gedanken zu befassen, dass es Thomas und Thomas nicht mehr geben würde. Doch ich hatte ihren Rückhalt.
Der Abend kam, Thomas auch und mit ihm der Zeitpunkt an dem ich ihn Unglücklich machen würde.
Jemanden unglücklich zu machen, ihm weh zu tun ist weitaus schlimmer als selbst unglücklich zu sein - das weis ich jetzt. Was bleibt ist die Gewissheit, dass dies mein einziger Weg ist und ich ihn zu gehen habe. Und ich hoffe, dass ich mir irgendwann wieder in die Augen sehen kann.
Wir trennten uns letztlich und ich begann mich zu betrinken. Nur so konnte ich die Nacht überstehen.

Sonntag, 16. Oktober 2005
Es war getan. Ich war nun frei für Bernhard. Ich fuhr zu ihm und ein neues Jahrhundert begann...

Lieber Bernhard,
Du bedeutest mir alles. Selbst im kürzesten Zeitraum, in dem wir getrennt sind, vermisse ich Dich und Deine Nähe. Nur Du füllst mein Herz aus. Ich brauche Dich und ich werde immer für Dich da sein.

Bernhard - ich liebe Dich