Diese Seite ist zwei ganz besonderen Freunden gewidmet:


Paul Schütz

Fräulein

Das Geschwisterpärchen Paul und Fräulein kamen im Rahmen einer Rettungsaktion zu uns; Meine Mutter fand die beiden auf einem Bauernhof. Sie waren noch sehr klein und in einem erbärmlichen Zustand. Als meine Mutter sie mitbrachte, stellte sie die beiden in ihrem Katzenkorb in unserer Wohnküche ab und öffnete das Türchen. Danach geschah lange gar nichts. Fräulein war die erste, die ihr neues Zuhause aus dem Körbchen heraus anschaute, Paul hingegen versteckte sich ganz weit hinten.
Als ich später nach den beiden schauen wollte stellte ich fest, das Fräulein verschwunden war. Paul saß immer noch in dem Körbchen. Wir konnten uns das verschwinden von Fräulein nicht erklären, schließlich hatten wir die Küche stets geschlossen gehalten. Es begann eine hektische Suche die wir schließlich erfolglos abbrachen.
Wir hatten in unserer Küche so eine Komplettspüle. Einen Edelstahlspültisch mit fest angebauten Unterschrank, einer Schublade und zwei großen Schiebetüren. Ich glaube es war nach dem Mittagessen, als meine Mutter ein frisches Geschirrtuch aus der besagten Schublade holen wollte. Sie staunte nicht schlecht als sie die Schublade öffnete und ihr Fräulein schlaftrunken entgegen blinzelte.
So kamen die beiden also zu uns und wurden recht bald ein Teil der Familie. Zunächst blieben sie nur im Haus aber nach und nach nahmen wir die beiden auch mit in den Garten.

Wie kamen nun die Beiden zu ihren Namen? Solange ich denken kann hatten wir, wenn auch mit Unterbrechungen, mindestens eine Katze. Wir haben nie bewusst nach einem Namen gesucht, sondern die Namen ergaben sich aus dem Charakter oder dem Aussehen. Daher kamen so Namen wie Alte, Frechdachs oder Wuschel.

Paul Schütz

Paul war mein erklärter Liebling. Auch sein Name ergab sich aus seinem Charakter: Er war sehr stürmisch und verspielt, auf Grund seiner zierlichen Gestalt aber den anderen Katern in der Gegend unterlegen. War er nun alleine im Garten unterwegs, war er sehr vorsichtig - ja ängstlich. War aber jemand mit dabei war er ganz der Herr über sein Reich. Er versuchte uns immer in den Garten zu lotsen. Ging man mit ihm, verebbte sein Interesse sehr bald und er zog seiner Wege. Er vergewisserte sich aber ständig, dass jemand bei ihm ist. Ging man zurück ins Haus so folgte er binnen weniger Minuten.
Er genoss es wenn er jemanden überlegen war. Paul setzte sich nur meiner Mutter und mir auf den Schoss. War aber jemand da, der Angst vor Katzen hatte, so verließ Paul seine Lieblingsplätze und setzte sich genau neben diese Personen. Ein beliebtes Opfer war die Freundin meiner Mutter und auch ein Onkel von mir. Als dieser Onkel einmal bei uns zu Besuch war, setzte sich Paul sehr nahe neben ihn. Ich werde das Bild nie vergessen: Mein Onkel hatte die Arme verschränkt und neigte sich von Paul weg. Paul sah meinem Onkel direkt ins Gesicht. Dieser sah wiederum Paul an und sagte nur "Na du!?". Wenn Katzen grinsen können, dann hatte Paul in dieser Situation das breiteste Grinsen von allen im Gesicht.
All dies führte zum Namen Paul. Ich kann nicht genau erklären warum seine Charakterzüge ihn zu einem Paul machten, nur soviel: Mein Großvater mütterlicherseits hieß Paul und auch mein zweiter Name ist Paul! Irgendwann wurde aus Paul dann Paul Schütz, denn er war ein echter Schütz.

Paul hatte auch einen Tick. Wenn man sich um ihn sehr bemühte freute er sich der Art, dass er sich in eine Euphorie verlief. Dies endete meist damit, dass er am Höhepunkt kratzte. Sofort danach konnte man ihm dann das schlechte Gewissen deutlich ansehen. Aus diesem Grund war ich sehr häufig ziemlich verkratzt, was ich ihm aber nie übel genommen habe.

Meine Tage begannen stets mit einem Wettlauf. Schaffte ich es mein Frühstück einzunehmen bevor Paul kam? Tauchte Paul nämlich zum Frühstück auf, wickelte er mich derart um den Finger, dass stets er die Wurst von meinem Brot bekam und für mich das Brot übrig blieb. Rate mal wer zumeist als Sieger hervorging?

In fortgeschrittenem Alter liebte Paul es in meinem Bett zu schlafen (Sicher viele werden sagen wie unhygienisch, aber ich hatte weder Läuse, Flöhe noch Würmer, auch war ich nie häufiger krank als andere). Ich mochte es aus einem anderem Grund nicht dass Paul bei mir schlief: Da ich sehr unruhig schlafe, hatte ich Ángst, dass ich Paul verletzen könnte. Dadurch war es mir auch kaum möglich einzuschlafen wenn er in meinem Bett war. Dies missfiel wiederum Paul. Er begann "sein" Bett zu verteidigen. Es war unmöglich Paul vom Bett zu nehmen ohne gebissen und verkratzt zu werden. Mir blieb nichts anderes übrig, als ihn mit der ganzen Decke vor die Türe zu setzten. Aber auch dafür hatte Paul eine Lösung: lange bevor es Zeit war ins Bett zu gehen, versteckte er sich an den unmöglichsten Orten. Hatte man ihn dann vergessen und ging ins Bett kam er einige Zeit später nach und er hatte seinen Willen.

Seine Entschlossenheit nahm mit seinem Alter zu. Am 50. Geburtstag meine Vaters waren viele Verwandte zu Besuch. Für jeden der Anwesenden war nun ein Stuhl da, mit einer Ausnahme: Paul. Als nun ein Onkel den Fehler machte - er stand auf - beschloss Paul etwas dagegen zu unternehmen. Schließlich gehörte er ja auch zur Familie. Und so besetzte er auf das entschlossenste den Stuhl. Drei erwachsene Männer - darunter auch mein Vater - versuchten nun Paul davon zu überzeugen, dass er nun wirklich keinen Stuhl brauche. Das Ergebnis: Es wurde ein weiterer Stuhl herangeschafft und Paul saß den ganzen Abend mit am Tisch.

Eine besondere Geschichte ist auch das erste Zusammentreffen meines jetzigen Freundes und Paul. Es war beim ersten gemeinsamen Besuch bei meinen Eltern. Ich zeigte meinem Freund meine ehemalige Wohnung, als Paul sich dazugesellte. Wir hatten uns in meinem ehemaligen Schlafzimmer auf ein Sofa gesetzt, und Paul setzte sich zunächst auf meinen Schoss. Dann geschah etwas mit dem ich niemals gerechtet hatte: Paul setzte sich meinem Freund auf den Schoss legte sich hin und döste. Wie ich bereits erwähnt hatte machte das Paul nur bei meiner Mutter und bei mir. Von da an wusste ich mit absoluter Sicherheit, es ist der richtige. Es war das erste mal, dass Paul mich zum Weinen gebracht hat - es waren Freudentränen.

Als Paul schon recht alt war, verlor er einen Fangzahn. Durch diesen Verlust fand Paul einen neuen Trick heraus um uns um den Finger zu wickeln. Wenn er etwas besonders wollte, dann schob er mit dem verbliebenen unteren Fangzahn die Oberlippe nach oben. Er sah dann aus als wäre er die ärmste Katze der Welt und man konnte ihm nichts mehr abschlagen.

Als mein Vater - der Bequemlichkeit wegen - in sein eigenes Schlafzimmer umgezogen ist, war ein Teil des Ehebettes natürlich frei. Rate mal, wer das Bett in Besitz genommen hat? Bis an sein Lebensende hat er Teile der Nacht in seinem eigenen Bett verbracht. Wenn er morgens davon überzeugt war das es Zeit für das Frühstück ist, weckte er meine Mutter. Meine Mutter war dagegen machtlos. Sperrte sie ihn aus, so rannte er einfach gegen die Schlafzimmertür und machte somit einen Radau der auch den besten Schläfer aus den Träumen riss.

Paul starb im Alter von 17 Jahren an Altersschwäche. Er war klug genug, sich von den Hauptstraßen fern zu halten und konnte auch denen stets entkommen, die Katzen quälen oder aus Spaß umbringen. In seinem letzten Lebensjahr musste meine Mutter ihn füttern und er verbrachte die meiste Zeit an der Heizung. An guten Tagen spielte er auch noch mit einem bis er eines Nachts, im Frühjahr des Jahres 2001, einfach eingeschlafen ist und nicht mehr aufgewacht ist.

Wenn ich heute zu meinen Eltern fahre und mein Auto im Hof abstelle, schaue ich noch immer ob nicht Paul auftaucht. Er hat mich immer am Auto begrüßt, auch wenn ich unangemeldet aufgetaucht bin.
Es ist nicht sehr lange her, da habe ich geträumt, ich komme zu einen Eltern und parke das Auto im Hof. Wie immer warte ich, dass Paul um die Ecke kommt. Auf einmal höre ich sein Maunzen und er kommt um die Ecke wie wenn nichts gewesen wäre. Ich bin ziemlich verwirrt, und denke mir "ich hab es nur geträumt - er lebt noch!". Ich freue mich und begrüße ihn...
Ich bin aufgewacht und er ist nicht mehr da. Ich ärgere mich, das ich immer noch nicht darüber hinweg bin.

Ich vermisse ihn sehr! Wenn ich nachts Wachliege und an ihn denke, spüre ich bis heute die Wärme die sein kleiner Körper ausstrahlte wenn er sich an mich schmiegte.

Fräulein

Fräulein war, wie ihr Name schon sagt, eine sehr feine Katze. Ihr ganzes Verhalten wirkte sehr damenhaft. Leider konnte ich nie eine so enge Beziehung wie zu Paul aufbauen, was mir im Nachhinein sehr leid tut. Sie kam aber trotzdem nicht zu kurz, Fräulein war der Liebling meiner Eltern.

So viele Geschichten wie bei Paul fallen mir nicht ein, aber ihre große Leidenschaft werde ich nicht so schnell vergessen. Sie liebte das Apportieren! Dies ging wie folgt von statten: Mein Vater nahm den Korken einer Weinflasche und warf ihn die Treppe hinunter. Fräulein stürzte - wenig damenhaft - hinterher, fing den Korken und brachte ihn wieder zu meinem Vater. Wenn es nach ihr ging, hätte dieses Spiel Stunden dauern können. Darum versuchte mein Vater ihr beizubringen, den Korken selbst runter zu werfen. Das war allerdings nicht was Fräulein wollte, und so lockte sie einen immer wieder zur Treppe. Wenn mein Vater nicht mitspielte, so fand sie in der Regel immer jemanden der ihr den Korken die Treppe hinunterwarf.

Fräulein wurde in ihren besten Jahren von einem Auto überfahren.